Sieg beim Ironman 70.3 Aix en Provence

Ironman Provence
Im Ziel des Ironman Provence

Ein Wettkampf wie der Ironman 70.3 hier in der französischen Provence erfordert nicht nur viel Vorbereitung hinsichtlich des Trainings. Besonders die Tage vor dem Rennen sind nochmal sehr aufregend und zeitaufwendig. Möchte man erfolgreich und leistungsorientiert agieren ist es z.B. unabdingbar sich vorab die Rennstrecke (vor allem die Radstrecke) genauer anzuschauen bzw. abzufahren.

Das Rennen hier vor Ort ist beispielsweise sehr bergig mit steilen Abfahrten und engen Kurven, sodass die Tage vorab gut geplant werden muss wann man welchen Rennabschnitt fahren möchte. Die ganze Strecke in der letzten Woche vor dem Rennen zu fahren wäre zu viel, also muss man mit dem Auto an die Strecke fahren und von dort die Strecke „testen“…sind Schwimmstart und Laufstrecke an unterschiedlichen Orten (so wie hier), so sind die Wechselzonen logischerweise ebenso dort, was zu Folge hat, dass man 2x seine Wechselbeutel abgegeben muss. In diesem Fall musste man mit dem Auto zum Schwimmstart fahren, welcher 30km von der Stadt Aix en Provence entfernt lag. Dort situiert ist auch auch der Bike Check in, also die Abgabe des Fahrrads vor dem Rennen. Die Abgabe der Laufbeutel erfolgte in der Innenstadt, welche aber auch einige Kilometer von unserem Campingplatz entfernt lag…Organisation, Aufwand!

Die Vorbereitungen verliefen super, ich hatte gute Beine am Berg und auch insgesamt spürte ich, dass ich echt fit bin! Jetzt gab es nur noch eine vakante Variable: Der Schlaf und die Nacht vor dem Rennen! Aber auch da hat meine kleine bereits ein Sportlerherz und hat vorbildlich geschlafen (oder die Oropax haben einen guten Job gemacht 😉).

Und es lief wie am Schnürchen: Ganz vorne mit den Besten aus dem Bergsee gestiegen, auf dem Rad bergauf sogar attackieren können und auf den Abfahrten kaum was verloren! Bereits auf Platz 2 liegend bin ich dann zurück in die Stadt gekommen und mein super Supportteam rief mir zu, dass ich ca.3 min Rückstand habe. Meine Frau ist mittlerweile so ein Profi-Coach, dass Sie in einem solchen Fall den führenden Athleten direkt im Internet ausfindig macht..mit dem Ergebnis, dass er anhand der letzten Wettkampfergebnisse nicht so schnell laufen können sollte wie ich. Direkt im Anschluss rechnet sie Anhand meiner aktuellen Laufgeschwindigkeit und der des Führenden aus, ob und wann ich ihn überholen müsste und somit Siegchancen habe. Ihr Zuruf zu mir auf den ersten KM war: „All in“ gehen, dann kannst du gewinnen! Ich bin ein sehr emotionsgesteuerter Mensch und solche Ansagen treiben mich dazu, absolut an meine Grenzen zu gehen. Und an diese Grenze musste ich auch gehen, denn bei Km 19,5 von 21 habe ich den Führenden überholt und mir mit knappem Vorsprung den Sieg geholt. Ein sehr sympathischer Franzose der bei der Ironman-WM auf dieser Distanz mit Platz 5 sogar zur Weltspitze gehört!

Entscheidung beim Lauf
Die Entscheidung fällt bei Km 19,5 – der bis dato Führende ist überholt.

Für meine Mädels war das Tag natürlich sehr anstrengend. Nicht nur die heissen Temperaturen, auch die Lautstärke eines solchen Events ist nicht zu unterschätzen. Wickeln an der Rennstrecke zwischen schreienden Fans und parallel im Livetracker die Abstände ausrechnen. Multitasking vom Feinsten, aber natürlich auch sehr belastend. Meine Frau hat aktuell ja ebenso Elternzeit, daher fallen nun „ein paar Tage“ keinen Urlaub zu haben nicht so ins Gewicht. Der Renntag selber ist wie Arbeitstag. Er beginnt nicht nur mit meinem Start um 07:00 Uhr, sondern bereits um 04:00 Uhr wenn ich aufstehe und alle wach werden. Er endet auch nicht mittags wenn ich ins Ziel komme, denn dann befindet man sich noch komplett im Wettkampftrubel (und die Siegerehrung ist auch erst Abends um 19:00 Uhr). Auch am Tag danach ist Papa noch nicht ganz der alte, denn auch ich bin noch noch latent müde und noch nicht bei 100% Leistungsfähigkeit für die Familie. Der Aufwand in der Woche vor dem Rennen kommt noch hinzu… Es gehört viel Verständnis und Verzicht dazu und so ein Erfolg klappt nur als Team – und das ist absolute Weltspitze! Ich merke aber ebenso, dass solche Wettkämpfe nicht nur bei mir mehr und mehr an Substanz kosten.

Somit war es nun an der Zeit, dass ich mal vermehrt „zurückgeben“ muss und will. D.h. ein paar Tage 100% Familie im Fokus und die Priorität von „meinem Sport“ rückt mal in den Hintergrund. Ja, an solchen Tagen lasse ich mich dann auch mal auf einen Spaziergang ein 😉 Denn in ein paar Tagen geht es wieder richtig los mit der unmittelbaren Vorbereitung auf mein eigentliches Saisonziel: Bestzeit bei der Challenge Roth!

#Roadtoroth

Der Weg zur Challenge Roth begann natürlich schon viel früher, denn ein Langdistanzrennen dieser Art ist ein Langzeitprojekt über fast ein Jahr. Nun aber ist die Phase gekommen in der spezifische Reize gesetzt werden und damit auch das Training „extrem“ werden. Im folgenden Blog gebe ich euch einen Einblick wie das Training für ein solchen Projekt aussieht und welchen Einfluss dies auf Körper, Kopf und Familie hat!

Entspannung nach dem Rennen
Die Vorbereitung auf dieses heiße Rennen hat sämtliche Wittenseer Sport Vital Bestände aufgebraucht.